Sechzig

Zähl sechzig Striche an dieser Wand,
die Tür wird schon bald geschlossen.
Du trägst keinen Ring mehr an deiner Hand,
du hast dir zu viel versprochen.

Zähl sechzig Narben auf deiner Haut
und auch so manch off”ne Wunde.
Die Städte sind dir doch auch viel zu laut,
liegst wach in der vierten Stunde.

Zähl die Nächte vergangener Lieben,
auch jene, die ohne Namen.
Sechzig ist jetzt doch übertrieben.
Mehr musst du auch nicht verraten.

Sechzig Minuten sind doch auch
eine gewonnene Stunde.
Pflücke der Liebsten vom Feld einen Strauß
und tanz‘ mit dem Teufel im Bunde.


Zähl sechzig Worte auf das Papier,
auch wenn du denkst, drei würden reichen.
Spiel barfuß Lieder auf dem Klavier
und zähle im Keller die Leichen.

Trink sechzig Becher vom Rebensaft,
wirf die Zweifel aus dem Depot.
Frag nicht, wie hast du’s bis hierher geschafft,
noch sechzig Meilen bis Nirgendwo.

Sechzig Minuten sind doch auch
eine gewonnene Stunde.
Pflücke der Liebsten vom Feld einen Strauß
und tanz‘ mit dem Teufel im Bunde.